Aufs Geratewohl

Meine Liebste hat die Cloud als Ernährungsberater entdeckt. Sie findet das extrem praktisch, und ich soll jetzt für Internet in der Küche sorgen. Also besorge ich mir das Powerline-Wi-Fi-Kit eines bekannten Anbieters. Das kostet 150 Franken, besteht aus zwei kleinen Adaptern. Der eine holt das Netz beim Router ab und spediert es übers Stromnetz in die Küche, der andere pustet es dort in den Äther. Klingt praktisch.

Ich nehme brav das Handbuch zur Hand. Schliesslich will eine Funkzelle ja gewissenhaft aufgesetzt sein, wenn sie nicht zum Einfallstor für allerlei digitale Plagen werden soll. Das Handbuch misst 6,5x9x0,1 Zentimeter und kommt als siebenfach gefaltetes Leporello daher. Es liefert je eine Siebener-Serie Zeichnungen für zwei verschiedene Anwendungsfälle und enthält quasi null Text. 

Nun bin ich weder Analphabet, noch habe ich übermässig Freude an Bilderrätseln. So scheitere ich schon beim Versuch herauszufinden, zu welchem Anwendungsfall meine Küche und ich nun gehören. Und überhaupt, welches ist nun «Adapter 1», der ins Büro gehört, und welches «Adapter 2» für die Küche?

Bevor ich mir eine Depression einfange, stecke ich die Dinger einfach aufs Geratewohl ein. Prompt fangen die diversen LEDs wie verrückt an zu flimmern, und nach zwei Minuten ist alles vorbei. Das Tablet erkennt das neue, sichere WLAN, der Zugriffsschlüssel passt, alles ist gut. Jetzt müssen nur noch die Rezepte taugen.

(Dr. Christopher H. Müller in „Müller prüft die Welt“ – Netzwoche 15/2013)

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