S steht für Sicherheit

Theorie: Sicherheit ist im Internet zweifellos ein Gebot der Stunde – gerade, wenn’s um Transaktionen geht. Das hat die Branche begriffen. Sie informiert folglich fleissig über die Gefahrenlage, sie fördert das Risikobewusstsein der geschätzten Kundschaft, sie feilt an ihrem Verhalten. Das alles tut sie – weil‘s scheint‘s am besten wirkt – oft und immer wieder und auch kontextsensitiv, soweit es geht.

Praxis: Kürzlich in unserem Testlabor: Eine rüstige Dame, so Anfang 60, packte die Gelegenheit beim Schopf, um der E-Commerce-Branche gehörig die Leviten zu lesen. Viel zu wenig werde unternommen, um das Sicherheitsbedürfnis der Senioren zu befriedigen. Zwar habe die Wirtschaft diesen wachsenden Teil der Bevölkerung als Ertragsquelle identifiziert und locke ihn mit nützlichen Angeboten ins Netz. Aber dann verunsichere sie die Leute am laufenden Band mit Warnungen und Alarmen zu diesem und jenem! Das sei doch alles für die Katz – viele ihrer Freundinnen jedenfalls sähen im Internet die Wiederkunft von Sodom und Gomorra. Die gingen dann lieber beten als shoppen. Auch sie selbst verstehe die meisten dieser Warnhinweise nicht, und was sie nicht verstehe, mache ihr Angst. Sie klicke dann die Warnungen einfach weg und hoffe … nach dem Motto: Augen zu und durch, kicherte sie.

Fazit: Informieren, Bewusstsein schaffen und Verhalten ändern sind anerkannte Rezepte der IT-Sicherheit. Nur: Es kommt sehr darauf an, wie man es sagt. Wer glaubt, den Teufel an die Wand malen zu müssen, um gehört zu werden, der wird scheitern. Sicherheitskommunikation braucht keine Schauergeschichten. Sie braucht positive und verständliche Botschaften, die den Menschen das Gefühl vermitteln: «Ich kann mich gegen die Bedrohungen im Netz schützen und auch online sicher einkaufen.»

Müllers kleines ABC (Netzwoche 19/20 2015)

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