B wie Blocksatz

Müllers kleines ABC

Theorie: Blocksatz ist ein Verfahren aus der Typografie, bei dem der Text so gesetzt wird, dass alle Zeilen a) gleich breit sind und b) links wie rechts in der Vertikalen bündig. Das sieht dann – im Gegensatz etwa zu dieser Kolumne hier – artig und aufgeräumt aus. So kennen wir das von Büchern, Zeitungen und Magazinen, so sind wir das gewohnt.

Praxis: Leider funktioniert der Blocksatz nur im Print, denn gleiche Zeilenlänge wird durch Anpassen der Wortzwischenräume erreicht. Damit dabei aber keine augenfälligen Löcher entstehen, braucht es eine zuverlässige Worttrennung – und die gibt es fürs Web schlicht noch nicht, zumindest nicht als Standard für alle gängigen Browser. Das freilich hindert coole Webdesigner und sendungsbewusste Auftraggeber nicht daran, ihren Websites Blocksatz aufzunötigen. Man hat ja Stil und Ordnungssinn, und das will man auch in der elektronischen Kommunikation zeigen. So landen dann Texte im Browser, die aussehen, als hätten die Motten dran rumgefressen – und es scheint, je kürzer die Zeilen, je kleiner der Bildschirm, desto schlimmer der Befall. Solches sieht nicht bloss hässlich aus, sondern ist auch eine Zumutung für alle Nutzer. Eigentlich weiss man es schon lange aus der Leserforschung: Unregelmässige und zu grosse Wortabstände stören die Orientierung des Auges und damit den Lesefluss. Und wohlgemerkt, wir sprechen hier vom Lesen an Bildschirmen, das schon ohne solche Störungen anstrengend genug ist.

Fazit: Wer seinen Nutzern (und auf die Dauer auch sich selbst) Gutes tun will, verkneift sich im Web den Blocksatz bis auf Weiteres. Einen Tipp noch zum Schluss: Das Flattern der Zeilen am rechten Rand lässt sich einigermassen im Zaum halten, wenn man kurze Wörter verwendet. Das wiederum gelingt fast automatisch, wenn aktiv formuliert wird, also Verben statt Nomen verwendet werden. Und weil solche Texte an sich schon besser verständlich sind, hat man gleich zwei Motten auf einen Schlag erledigt.