R wie Rating

Müllers kleines ABC

Theorie: Eigentlich heisst Rating ja Bewertung, aber weil der Buchstabe B schon mit «Blocksatz» belegt ist, bedienen wir uns für einmal gern des Denglischen. Gemeint ist übrigens die grassierende Bewerterei von allem und jedem im Web. Der Sinn dahinter sollte wohl sein, die Qualität eines Produkts, einer Dienstleistung oder eines Inhalts für den Rest der Welt transparent zu machen.

Realität: Schauen wir mal auf die Webshops – deren Kundschaft soll ja ganz verrückt nach Bewertungen sein. Allgemein durchgesetzt hat sich hier das Fünf-Sterne-System. Damit wird alles benotet, von der Zahnbürste bis zur Multi-Room-Beschallungsanlage. Nun mögen die Sternchen bei einfachen Gütern noch funktionieren. Sobald es aber um komplexere geht – sagen wir mal um Handys –, sind sie so gut wie wertlos. Was wurde denn beurteilt? Das Design, der Funktionsumfang, die Akkulaufzeit oder alles zusammen und noch viel mehr?

Wer sich also für ein Handy interessiert, braucht schon etwas mehr Informationen. Hilfreich wäre es etwa, zu wissen, was am Produkt im Alltag aufgefallen ist, im Guten wie im Schlechten. Dumm ist nur, dass brauchbarer Klartext hierzu recht dünn gesät ist. Das rührt daher, dass es den meisten Shops bei den Bewertungen um Menge und nicht um Qualität geht. Deshalb erlauben sie auch das unkommentierte Verteilen von Sternchen. Sicher, das senkt die Hemmschwelle bei den Nutzern und kommt dem Spieltrieb im heutigen Jekami-Netz entgegen. Natürlich sieht es auch toll aus, wenn drei Tage nach Verkaufsstart schon 200 Bewertungen eingegangen sind. Den Kaufinteressenten hilft das aber wenig.

Fazit: Wer wirklich das Wohl der Kunden im Sinne hat, akzeptiert das Verteilen von Sternchen nur, wenn gleichzeitig ergänzender Text abgeliefert wird. Damit sich die Leute beim Schreiben aber nicht unnötig schwertun, gibt man ihnen eine Struktur vor – beispielsweise im Sinn von Pros und Kontras. Das schafft Ordnung, hilft bei der Orientierung und hält obendrein jene fern, die bloss Schindluder treiben wollen.