J wie Jira, Jama und dergleichen

IMG_1123.jpg

Theorie: Die Rede ist von Entwicklungsplattformen für agile Software oder Webprojekte. Sie helfen, Aufgaben zu strukturieren und Abläufe zu optimieren. Sie erleichtern das Bewirtschaften von Anforderungen, Fehlern und Änderungen, und sie liefern dem Team vielfältige Informations- und Kommunikationswerkzeuge. Sie gelten als eine Art Allzweckwaffe der modernen Entwicklung.

Realität: Die Auftraggeber mögen sie, weil sie ein kürzeres Time to Market, tiefere Risiken und niedrigere Kosten versprechen. Die Projektleiter schätzen unter anderem ihre hübschen Cockpits mit all den bunten reports und Fortschrittsgrafiken. Auch die Teams nutzen sie gern, weil sie so praktische Kommentarfunktionen haben und eine strukturierte, doch flexible Dokumentation zu allem und jedem im Projekt liefern.

So weit, so gut. Nun scheint es aber, dass solche Plattformen vermehrt dazu missbraucht werden, Teambesprechungen in fahrlässigem Ausmass zu vermeiden. Das ist insofern riskant, als es die Verschriftlichung der Kommunikation forciert und den heilsamen direkten Austausch in der Gruppe behindert. Unter dem Strich – und vielleicht entgegen vieler Erwartungen – erschwert das die ohnehin heikle Verständigung über die Fachgebiete hinweg noch zusätzlich.
So kommt es öfter mal vor, dass Anforderungen zwar dokumentiert, aber leider nicht von allen gleich verstanden werden. Weil aber jeder für sich vor seinem Bildschirm werkelt, wird das erst im nächsten Sprint Review entdeckt – und viel Arbeit war für die Katz. Mit anderen Worten: Die Halbwertszeit von Missverständnissen verlängert sich enorm, wenn die Kommunikation von der guten alten Besprechung (synchron) in Kommentare, Messaging, Wikis etc. (asynchron) verlagert wird.

Fazit: Entwicklungsplattformen können den persönlichen Austausch im Team nicht ersetzen. Trommeln Sie Ihre Leute also trotz Jira, Jama und dergleichen regelmässig zusammen! Die Zeit für gut vorbereitete und geleitete Besprechungen ist in der Regel gut investiert.