W wie Wollmilchsau, eierlegende

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Theorie: Eine eierlegende Wollmilchsau steht umgangssprachlich für etwas (eine Sache, Person oder Lösung), das alle Bedürfnisse befriedigt, allen Ansprüchen gerecht wird und deshalb nur Vorteile hat. In der IT findet man solche Viecher gerne dort, wo viele Leute zusammen an etwas Grossem arbeiten sollen – bei sogenannten Collaboration Tools beispielsweise.

Realität: Es gibt im Web Versuche, die firmenübergreifende Zusammenarbeit in grossen Projekten zu revolutionieren. Solche Kollaborations-Plattformen versprechen dann jeder und jedem, sie könnten damit genauso arbeiten, wie sie es sich gewohnt sind. Ihre Lieblings-Tool würden über Schnittstellen und Plug-Ins ganz einfach integriert. Und die wichtigen Daten, die flössen ja dann wie von selbst zu den richtigen Leuten. Selbstverständlich ermöglicht ihnen das endgültige Sortiment an Kommunikationswerkzeugen eine virtuelle Zusammenarbeit, so effizient, als sässen alle gemütlich im Besprechungszimmer beisammen.

Abgesehen von der technischen Raffinesse einiger dieser Plattformen - sie beweisen vor allem eines: Wer zu viel will, wird am Ende etwas Unbrauchbares bekommen. So entstehen dann unförmige, zerklüftete Funktionskolosse, die ohne mehrtägigen Einführungskurs (für den natürlich keiner Zeit hat) nicht zu durchschauen sind. So landen dann im Chat die flapsigen Bemerkungen über den neuen TPL Payment leider bei allen, statt nur bei der Kollegin nebenan. So verschwindet halt die ausserordentliche Entwicklersitzung gleich aus dem Projektkalender, statt nur aus dem Mitarbeiterkalender von Urs, der dann nicht kann.

Fazit: Um es mit Robert Bosch zu sagen: «Allen Leuten recht getan ist eine Kunst, die niemand kann». Deshalb gilt selbst für die eigentlich ja allmächtige IT: Kenne erstens deine wichtigsten Nutzer, verstehe zweitens ihre dringendsten Bedürfnisse und habe drittens Mut zur Lücke. Sonst kriegt das selbst der teuerste UX-Experten nicht mehr hin.