M wie Maschinelles Lernen

Christopher Müller

Theorie: Maschinelles Lernen ist wohl einer der heissest diskutieren Modebegriffe heute. Dabei geht es eigentlich bloss darum, Maschinen so zu trainieren, dass sie komplizierte Aufgaben übernehmen können. Hierfür braucht es neben einer leistungsfähigen Informationsverarbeitung auch ein gewisses Mass an kognitiven Fähigkeiten. Der Deutsche Bundesverband Digitale Wirtschaft definiert das so: «Bei maschinellem Lernen ... werden Computersysteme trainiert, Muster in Beispielen zu erkennen und diese selbstständig auf andere Beispiele anzuwenden.»

Praxis: Die Einen halten lernende Maschinen für die Erlösung der Menschheit. Den Anderen stehen sie für die leibhaftigen Vorboten der Götterdämmerung. Manche fragen sich, ob uns die Maschinen jetzt tatsächlich Lohn und Arbeit klauen. Andere grübeln darüber, wer denn inskünftig wohl Herr sein wird und wer Untertan.

Lassen wir solche tiefschürfenden Betrachtungen einmal weg und fragen wir uns, wie die Maschine denn zu ihren Fähigkeiten kommt. Wir Menschen sind es letztlich, die ihr die vermitteln. Das merkt man selbst den besttrainierten Maschinen an. Sie sind immer nur so gut, wie sie a) programmiert wurden und b) wie das Lernmaterial, das ihnen verfüttert wurde.

Das ist tröstlich, weil gar nicht mal so unmenschlich. Es ist aber auch gefährlich, weil sich hier menschliche Unzulänglichkeiten in unabsehbarem Masse verdichten und hochschaukeln können. Im dümmsten Fall entstehen so gewissenlose oder fehlerbehaftete Killerroboter. Weniger gewalttätig, aber ebenso gefährlich wären HR-Roboter, die nur noch 35-jährige Männer mit Top-Abschluss von einer der fünf (nach irgendwelchen Rankings) bestplatzierten Universitäten rekrutieren.

Fazit: Wir haben es in der Hand, wie unsere Maschinen künftig geraten werden. Wir sind es, die ihnen den moralischen Kompass, die Ethik beibringen. Was gut oder böse ist, liegt in unserem Ermessen. Also wären wir eigentlich gut beraten, nicht nur an den Maschinen, sondern auch an uns zu arbeiten.