A wie Autokorrektur

Theorie: Die Autokorrektur ist ja gut gemeint und dient grob gesagt folgenden Zwecken. Sie soll 1. ihre Nutzer vor peinlichen Fehlern in Dokumenten bewahren und 2. das Schreiben auf all den schicken mobilen Gerätschaften erleichtern. Letzeres tut sie, indem sie angefangene Wörter zu ganzen ergänzt – entweder automatisch oder in Form einer Auswahl.

Realität: Der Fall 1 ist recht harmlos und kommt fast nur auf dem PC vor. Es wird ja gemunkelt, dass die Autokorrektur in der Regel nur nutzt, wer nicht weiss, wie man sie abschaltet. Wer sie trotzdem nutzt, braucht sie bloss zum Markieren falsch geschriebener Wörter (genauer: von solchen, die nicht im Wörterbuch stehen) respektive zum manuellen Korrigieren des fertigen Texts. Nutzer dieses Typs dürfen sich zwar hin und wieder wundern, warum das Programm Allerweltswörter notorisch nicht erkennt oder nach Abkürzungen wie „bzw.“ partout Grossschreibung fordert. Doch das nehmen sie als Gegengeschäft für eine verbesserte Rechtschreibung in Kauf.

Spannend hingegen ist Fall 2. Weil das Schreiben auf Handys und Tablets so beschwerlich ist, lockt dort die automatische Wortergänzung. Wer aber hier nicht aufpasst, sorgt rasch für ungewollte Heiterkeit. Dann wird vom Chef etwa unverblümt bessere Verhütung gefordert, statt besserer Vergütung. Es wird kurzerhand die Siam-Katze zerschlissen - statt der SIM-Karte. Aus dem Weihnachtsgeschenk für Onkel Albert wird ein Wehrmachtsgeschenk und aus dem Backenbart von Franz ein Hitlerbart. Die Nacht wird zur Macht, der Suff zum Puff.

Fazit: Ohne das Präfix „Auto“ kann die Korrekturfunktion ein Segen sein. Ja, in Anbetracht der Mails, die einem täglich ins Büro flattern, möchte man die IT-Verantwortlichen dieser Welt am liebsten anflehen, doch bitte die Autokorrektur per Nutzerrichtlinie zentral einzuschalten. Als Schreibhilfe auf dem Handy lässt sich die Wortergänzung hingegen nur jenen empfehlen, die ein dickes Fell haben oder die Nerven, jede Wortergänzung genau zu prüfen. 

Christopher Müller