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T wie Testing Trend

Müllers kleines ABC zum Thema Testing Trend - immer öfter wird Unfertiges auf die Kunden los gelassen...

1. November 2015
Dr. Christopher H. Müller, Inhaber, Expert Consultant

Inhaber, Expert Consultant

Theorie

Mit Kunden testen ist eine super Sache und unerlässlich, soll ein Produkt dem gemeinen Nutzer dereinst Freude bereiten. Hierfür gibt es Verfahren, Konzepte und auch Labors. Dort wird die Qualität unter reproduzierbaren und standardisierten Bedingungen an Probanden ausprobiert, die hoffentlich gut der späteren Zielgruppe entsprechen. Solche Tests entfalten ihre segensreiche Wirkung dann besonders gut, wenn sie früh im Projekt und mehrfach dazu genutzt werden, die Weichen richtig zu stellen. Näheres dazu lässt sich etwa im Beitrag „Der Nutzer als Brückenbauer, der Usability-Experte als Moderator“ in Netzwoche 12/2015 nachlesen.

Realität

Nun gibt es aber Hersteller, denen das Labor für ihre Tests offenbar zu eng geworden ist. Sie konfrontieren die reale Kundschaft immer früher mit unfertigen Lösungen. Wir erinnern uns: Es gab Zeiten, da hiess so etwas in der ICT noch Betatest. Das war wenigstens insofern ehrlich, als die Nutzer über Risiken und Nebenwirkungen des Einsatzes solcher Fragmente informiert wurden.

Doch heute tut man so, als sei das Produkt fertig. Man legt sich virtuell mit Notizblock oder Logging-Software auf die Lauer und guckt interessiert zu, wie sich jemand am anderen Ende der Datenleitung ahnungslos damit abmüht, eine Bestellung im neuen Webshop abzusetzen. Wenn man das geschickt anstellt, dann merken die Versuchskaninchen gar nicht, dass sie gerade durch ein Potemkin’sches Dorf hoppeln. Öfter als einem genehm sein kann, geht das aber schief. Der Nutzer flucht, der Verkauf springt im Dreieck, die IT rotiert im Strudel von Workarounds. Doch offensichtlich nimmt man für ein paar Daten aus dem richtigen Leben gerne den Groll der Kundschaft in Kauf.

Fazit

Das frühe Feedback im „echten Kontext“ ist beliebt. Wer aber mit einem halbfertigen Produkt ruckzuck auf seine Kunden losgeht, riskiert, zu deren Folterknecht zu werden. Besser ist es, schrittweise vorzugehen und immer nur kleine Teile davon in die freie Wildbahn zu entlassen. Das geht natürlich dann gut, wenn man Websites beispielsweise regelmässig kleine Verbesserungen spendiert, statt sie alle zehn Jahre komplett zu überarbeiten.

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Dr. Christopher H. Müller, Inhaber, Expert Consultant

Inhaber, Expert Consultant

Dr. Christopher H. Müller, Gründer und Inhaber der Ergonomen Usability AG, promovierte am Institut für Hygiene und Arbeitsphysiologie der ETH Zürich. Er ist seit mehr als 22 Jahren Experte für Usability und User Experience. Sein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen ermöglicht es ihm, rasch die Bedürfnisse und Perspektiven der Kunden zu verstehen. Mit viel Kreativität und Mut unterstützt er seine Kunden in Digitalisierungsvorhaben und bei der Optimierung von Produkten, Dienstleistungen oder Prozessen. Er verfolgt einen praxisorientierten Ansatz und entwickelt massgeschneiderte Lösungen, die effektiv umgesetzt werden können. Dr. Christopher H. Müller ist Kolumnist in der Netzwoche. Weitere Engagements sind unter anderem Stiftungsrat bei der Stiftung Zugang für alle, Mitglied in zwei Swico-Beiräten und Co-Präsident der Regionalkonferenz Nördlich Lägern.

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