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Z wie Zeilenlänge

Unter der Zeilenlänge verstehen wir hier die Anzahl Zeichen, die auf einer Zeile dargestellt wird. Leerzeichen, also die Wortzwischenräume, werden notabene mitgezählt. Bei der Suche nach der optimalen Zeilenlänge können wir vom Erfahrungsschatz der Typographie profitieren. Sie postuliert, je nach Quelle, für Desktop-Anwendungen zwischen 45 und 80 Zeichen pro Zeile. Damit lässt sich schon mal beginnen. Und ob die Länge dann wirklich passt, lässt sich testen, testen, testen – sofern man dabei die richtigen Fragen stellt.

2. Mai 2021
Dr. Christopher H. Müller

Inhaber, Expert Consultant

Theorie: Unter der Zeilenlänge verstehen wir hier die Anzahl Zeichen, die auf einer Zeile dargestellt wird. Leerzeichen, also die Wortzwischenräume, werden notabene mitgezählt.

Realität: So weit, so banal- und was hat das jetzt mit der Ergonomie zu tun? Sehr viel, denn die Länge der Zeilen entscheidet wesentlich darüber, wie leicht ein Text gelesen werden kann. Ist sie zu gross, strengt uns das Lesen an, weil das Auge am Ende jeder Zeile eine grosse Distanz zum Anfang der Folgezeile zurücklegen muss – und sich dabei leicht verheddert. Aber auch zu kurze Zeilen sind ungünstig – hier tun wir uns zwar leichter mit dem sogenannten Zeilensprung, dafür müssen wir ihn aber umso öfter meistern. Im Web kommt noch dazu, dass kurze Zeilen wegen der fehlenden Silbentrennung am Zeilenende unruhig wirkende Flatterränder produzieren. Auch das stört den Lesefluss und sieht obendrein noch hässlich aus.

Die «richtige» Zeilenlänge gibt es aber nicht, gesucht ist ein Optimum. Das wiederum ist nicht leicht zu finden, weil es von weiteren Aspekten beeinflusst wird - etwa von Schriftgrösse, Schriftart, durchschnittlicher Wort- und Satzlänge. Und zu allem Übel funken hier noch die Art des Inhalts selbst hinein sowie die Zielgruppe mit ihren Erwartungen und Gewohnheiten.

Offensichtlich ist die Angelegenheit vielen am Ende dann doch zu komplex – oder zu unwichtig. Jedenfalls fördert schon ein kurzer Ausflug ins Web problemlos Zeilenlägen über 130 und unter 30 zu Tage. Nutzerfreundlich ist das nicht.

Fazit: Müssen wir also an der Suche nach einer passenden Zeilenlänge verzweifeln? Nein, so schlimm ist es nicht, denn wir können hier vom Jahrhunderte alten Erfahrungsschatz einer Geheimwissenschaft namens Typographie profitieren. Sie postuliert, je nach Quelle, für Desktop-Anwendungen zwischen 45 und 80 Zeichen pro Zeile. Damit lässt sich schon mal beginnen. Und ob die Länge dann wirklich passt, lässt sich testen, testen, testen – sofern man dabei die richtigen Fragen stellt.

Veröffentlicht in: Netzwoche Ausgabe 6, 2021

Dr. Christopher H. Müller

Inhaber, Expert Consultant

Gründer und Inhaber der Ergonomen. Promovierte am Institut für Hygiene und Arbeitsphysiologie der ETH. Familienmensch, Naturfreund, Empath und Handyfotograf. Seit 20 Jahren einer der führenden Usability-Experten der Schweiz.

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