zurück zum Blog

Gute Software ist noch lange kein gutes Produkt

Etablierte Software verliert selten an Wirkung, weil Funktionen fehlen. Oft ist das Gegenteil der Fall: Das Produkt kann viel, zeigt seinen Wert aber nicht mehr klar genug.

21. August 2026
Dr. Christopher H. Müller, Inhaber, Expert Consultant

Inhaber, Expert Consultant

Eine Produktdemo. Zwanzig Minuten. Der Vertrieb hat alle wichtigen Funktionen erklärt. Der Interessent ist höflich beeindruckt. Dann entscheidet er sich für den Wettbewerber. Wahrscheinlich hat hier nicht die bessere Software gewonnen, sondern das verständlichere Produkt.

Mehr Funktionen. Weniger Produkt.

Erfolgreiche Software wächst. Neue Kunden bringen neue Anforderungen. Der Verkauf fordert zusätzliche Funktionen aufgrund breit abgestützter Kundenwünwsche - vermeintlich oft. Die Entwicklung löst Sonderfälle, bestehende Abläufe werden erweitert, ergänzt und abgesichert. Jede einzelne Entscheidung kann sinnvoll sein. In der Summe entsteht trotzdem ein Problem: Das Produkt wird leistungsfähiger, aber schwerer verständlich.

Typische Folgen sind:

  • Der Vertrieb muss in Demos zu viel erklären.

  • Neue Benutzer brauchen lange Einführungen.

  • Wichtige Funktionen bleiben ungenutzt.

  • Der Support beantwortet immer wieder dieselben Fragen.

  • Neue Features erzielen weniger Wirkung als erwartet.

  • Jüngere Wettbewerber wirken moderner und einfacher.

Die technische Qualität ist weiterhin vorhanden. Sie kommt bei den Benutzern nur nicht mehr an.

Das Symptom ist nicht die Ursache

Wenn ein Produkt kompliziert wirkt, scheint die Lösung naheliegend: ein moderneres Design, ein neues Dashboard oder eine überarbeitete Navigation. Das kann helfen. Es kann aber auch teuer am Problem vorbeizielen. Vielleicht liegt die Schwierigkeit nicht im Design, sondern in der Inhaltsstruktur. Vielleicht verstehen Benutzer einen zentralen Begriff nicht. Vielleicht entspricht ein Ablauf nicht ihrer tatsächlichen Arbeitsweise.

Darum beginnen wir nicht mit der Frage: Was sollen wir verändern?

Wir fragen zuerst: Warum erzielt das Produkt nicht die gewünschte Wirkung?

Wer diese Frage überspringt, gestaltet schneller, aber nicht zwingend besser.

Der blinde Fleck liegt im eigenen Wissen

Das Produktteam kennt seine Software. Es weiss, weshalb eine Funktion existiert, was ein Begriff bedeutet und welcher Schritt als Nächstes folgt. Neue Benutzer / Kunden wissen das nicht. Sie sehen nur, was das Produkt in diesem Moment vermittelt. Ist die nächste Handlung nicht klar, müssen sie nachdenken, ausprobieren oder nachfragen. Das kostet Zeit und Vertrauen. Genau hier liegt der blinde Fleck vieler etablierter Produkte: Das Wissen im Unternehmen ist grösser geworden. Die Verständlichkeit des Produkts ist nicht im gleichen Mass mitgewachsen.

Ein unabhängiger Blick hilft. Aber nur, wenn er mehr liefert als eine persönliche Meinung.

Bei der Produktverbesserung geht es nicht um Geschmack

Ob eine Oberfläche gefällt, ist subjektiv. Ob Benutzer ihre Aufgaben verstehen und erfolgreich erledigen können, lässt sich testen und auswerten.

Wir verbinden drei Perspektiven:

  1. Benutzersicht: Wo zögern Benutzer, machen Umwege oder brechen ab?

  2. Unternehmenssicht: Was kostet Verkäufe, Supportaufwand oder Kundenbindung?

  3. Produktsicht: Welche Verbesserungen sind technisch und organisatorisch sinnvoll?

Dazu nutzen wir UX-Research, Usability, Interaktionsdesign, UX-Writing und Verhaltensökonomie. Wir ziehen die Lösungsideen nicht einfach aus der Schublade: Wir denken mit, fragen nach, bohren tiefer und beantworten Ihre Fragen.

Ein Expert Review zeigt bekannte Usability-Probleme. Usability-Tests im Usability Labor oder am Arbeitsplatz mit echten Benutzern zeigen, was tatsächlich geschieht. Interviews erklären den Nutzungskontext. Quantitative Daten zeigen die Häufigkeit. Prototypen prüfen neue Lösungen, bevor sie teuer entwickelt werden.

Die Methode richtet sich nach der Fragestellung - ein wissenschaftlicher Ansatz eben.  Und wir unterscheiden sauber zwischen Befund, Interpretation und Vermutung. Auch das ist Expertenarbeit.

Lösungsvorschläge anstatt Mängelliste

Eine Liste mit fünfzig Problemen hilft keinem Produktteam. Sie erzeugt vor allem ein einundfünfzigstes Problem: Wo anfangen?

Wir priorisieren deshalb nach Wirkung, Häufigkeit, Aufwand und Risiko. Am Ende muss klar sein:

  • Was ist das eigentliche Problem?

  • Welche Benutzer und Abläufe sind betroffen?

  • Was empfehlen wir konkret?

  • Welche Wirkung erwarten wir?

  • Was muss vor der Umsetzung noch überprüft werden?

Unsere Aufgabe ist nicht, möglichst viel zu verändern. Wir suchen die wenigen Hebel, die den grössten Unterschied machen. Daraus entstehen konkrete Abläufe, neudeutsch "Workflows", verständliche Texte, klare Informationsstrukturen, Prototypen oder umsetzungsreife Anforderungen. Produktmanagement, Design und Entwicklung können direkt weiterarbeiten.

Was wir damit erreichen

Eine bessere Benutzeroberfläche sieht nicht nur besser aus. Sie verbessert das Geschäft. Interessenten erkennen den Nutzen schneller. Demos benötigen weniger Erklärungen. Neue Benutzer finden sich rascher zurecht. Kunden verwenden mehr von den Funktionen, für die sie bezahlen. Supportanfragen nehmen ab. Das Produktteam investiert gezielter. Kurz:

  • leichter verkaufen

  • schneller einführen

  • einfacher bedienen

  • gezielter weiterentwickeln

  • Kunden länger halten

Das Produkt muss dazu nicht zwingend einfacher werden. Aber es muss einfacher zu verstehen sein.

Erfahrung verkürzt den Weg

Seit mehr als 17 Jahren untersuchen und verbessern die Ergonomen digitale Produkte und komplexe Prozesse. Diese Erfahrung hilft uns, Muster rasch zu erkennen. Wir verlassen uns trotzdem nicht auf Erfahrung allein. Jedes Produkt hat eine eigene Logik, eigene Benutzer und eine eigene Geschichte. Deshalb verbinden wir den Expertenblick mit gezieltem User Research und konkreten Daten.

Unsere Kunden bewerten die Zusammenarbeit mit einem Net Promoter Score von 78. Besonders häufig nennen sie die fundierte Analyse, das strukturierte Vorgehen und die direkte Umsetzbarkeit und Qualität unserer Empfehlungen. Genau daran messen wir unsere Arbeit.

Ein Tag für die entscheidenden Fragen

Eine Produktverbesserung muss nicht mit einem Redesign beginnen. Im eintägigen Produkt-Check betrachten wir gemeinsam mit Ihrem Team die kritischen Stellen. Wir beziehen das Wissen aus Vertrieb, Support, Produktmanagement und Entwicklung ein und prüfen das Produkt aus Expertensicht.

Am Ende stehen:

  • eine unabhängige Diagnose

  • die drei wichtigsten Hebel

  • eine Priorisierung nach Aufwand und Wirkung

  • konkrete nächste Schritte

  • eine Einschätzung, was zusätzlich mit Benutzern überprüft werden sollte

Der Produkt-Check kostet CHF 3’000 exkl. MWST. Er ist keine umfassende Studie. Er ist ein fokussierter Einstieg, der Orientierung schafft und Fehlinvestitionen verhindern kann. 

Sind die Hebel identifiziert, entwickeln wir in einer Produkt-Werkstatt konkrete Lösungen. Wo die Weiterentwicklung zur dauerhaften Aufgabe wird, begleiten wir das Unternehmen als Produkt-Partner.

Gute Produkte erklären sich nicht selbst. Aber fast.

Eine etablierte Software muss sich nicht neu erfinden, nur weil ein Wettbewerber moderner wirkt. Oft steckt bereits sehr viel Qualität im Produkt. Sie ist nur zu gut versteckt. Wir machen diese Qualität wieder sichtbar, verständlich und nutzbar. Denn am Ende gewinnt nicht das Produkt mit den meisten Funktionen. Es gewinnt das Produkt, dessen Wert die Benutzer erkennen.

Produkt-Check: Was ist das?

Dr. Christopher H. Müller, Inhaber, Expert Consultant

Inhaber, Expert Consultant

Dr. Christopher H. Müller, Gründer und Inhaber der Ergonomen Usability AG, promovierte am Institut für Hygiene und Arbeitsphysiologie der ETH Zürich. Er ist seit mehr als 22 Jahren Experte für Usability und User Experience. Sein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen ermöglicht es ihm, rasch die Bedürfnisse und Perspektiven der Kunden zu verstehen. Mit viel Kreativität und Mut unterstützt er seine Kunden in Digitalisierungsvorhaben und bei der Optimierung von Produkten, Dienstleistungen oder Prozessen. Er verfolgt einen praxisorientierten Ansatz und entwickelt massgeschneiderte Lösungen, die effektiv umgesetzt werden können. Dr. Christopher H. Müller ist Kolumnist in der Netzwoche. Weitere Engagements sind unter anderem Stiftungsrat bei der Stiftung Zugang für alle, Mitglied in zwei Swico-Beiräten und Co-Präsident der Regionalkonferenz Nördlich Lägern.

Kontakt