zurück zum Blog

Gutes UX Writing bemerkt man nicht. Schlechtes schon!

Gutes UX Writing führt leise. Schlechtes UX Writing fällt auf – genau dann, wenn Nutzer unsicher werden, abbrechen oder den Support kontaktieren. Warum klare Interface-Texte kein Detail sind, sondern ein zentraler Bestandteil guter Usability und erfolgreicher digitaler Angebote.

17. Juni 2026
MA Vroni Bauhofer, Usability-Consultant

Usability-Consultant

Texte auf Websites und in Apps schreibt doch jeder. Ein bisschen beschreiben, ein bisschen erklären – voilà? 

Nicht ganz. 

UX Writing ist nicht Copywriting. Marketing-Texte sollen begeistern, überzeugen, Emotionen wecken. UX Writing hat ein anderes Ziel: Es soll Menschen durch ein Interface führen. Unsauber formulierte Button-Beschriftungen, missverständliche Fehlermeldungen, Formularfelder ohne klare Beschriftung sind keine Design-Probleme. Das sind Textprobleme. Und hier liegt der fundamentaler Unterschied: Gutes Copywriting fällt auf. Gutes UX Writing fällt nicht auf. 

Wenn ein Interface-Text funktioniert, denkt niemand darüber nach. Kein Nutzer hält inne und denkt: «Was für eine klare Beschriftung.» Er klickt einfach. Ohne Zögern oder gar Abbruch. Ohne Frust. Ohne Anruf beim Support. 

Die unsichtbare Arbeit hinter guten Interfaces 

Torrey Podmajersky, eine der bekanntesten Stimmen im UX Writing, beschreibt in «Strategic Writing for UX» treffend, worum es geht: Es braucht ein tiefes Verständnis dafür, was Menschen in einem bestimmten Moment brauchen. «We need to understand the cycle from the point of view of the people who will use the experience, to meet them where they are», schreibt sie. 

Den Menschen begegnen, wo sie sind. Im Moment der Entscheidung, der Verwirrung, des Weiterklickens… klingt zwar simpel, ist es aber meistens nicht. Und ihnen dann mit den Texten das Gefühl der Selbstwirksamkeit und Kontrolle zu geben, das ein gutes Erlebnis im Web ausmacht. 

Das Problem: UX Writing wird oft nicht gesehen 

Das Tückische an dieser Disziplin ist ihre Unscheinbarkeit. Wenn ein Design schlecht ist, sieht es jemand. Wenn eine Funktion fehlt, beschwert sich jemand. Wenn ein Text schlecht ist – nun, dann denkt man meistens an etwas anderes. An den Button. An das Formular. An «die Nutzer verstehen das halt nicht». Im schlimmsten Fall suchen die Nutzer bei sich selbst die Schuld und sagen «Ich bin zu blöd für das!» oder «Das verstehe ich einfach nicht…».  

Bei den Ergonomen denken wir anders. 

Ich bin als UX-Writing-Expertin ein Teil des Teams, und wir nehmen Sprache in Projekten genauso ernst wie Struktur und Gestaltung. In unseren Reviews schauen wir nicht nur darauf, ob ein Interface navigierbar ist – wir schauen auch, ob es spricht. Ob Texte zur richtigen Zeit das Richtige sagen. Ob sie leiten, ohne zu belehren oder zu überfordern. Ob sie Orientierung geben, ohne zu überladen. Denn Mitgedachtes UX Writing ist ein zentraler Bestandteil guter UX und trägt somit auch massgeblich zum Erfolg des Onlineauftritts einer Firma bei.  

Texte sind keine Dekoration 

In einem Projekt für eine Schweizer Organisation haben wir kürzlich eine Seite gestaltet, die eigentlich gut konzipiert war – bis auf eine Stelle. Der Abschluss-Schritt eines Prozesses war mit «Vorgang einreichen» beschriftet. Klar, dachte man. Sachlich. 

Das Problem: Die Beschriftung gibt den Anschein, man könne danach noch etwas ändern. Das Wort «einreichen» liess Spielraum. Als ob man etwas abgibt, das noch bearbeitet werden kann. 

Eine kleine Änderung – «Vorgang einreichen und abschliessen» – machte potentiellen Verständnisfehlern schon im Vorhinein den Garaus. Gut geschriebene Texte lösen Probleme, die Menschen selten als Textproblem erkennen. Und genau deshalb lohnt es sich immer, genauer hinzuschauen. 

Was das aus ergonomischer und ökonomischer Sicht bedeutet 

Für uns ist UX Writing keine Kür oder I-Tüpfelchen, um das man sich noch am Schluss kümmert, wenn Zeit und Budget übrig sind. Es ist ein wichtiges Werkzeug und unverzichtbarer Teil von Usability. Denn wer digitale Produkte gestaltet, gestaltet auch die Sprache dieser Produkte. Ob bewusst oder unbewusst. Ob sorgfältig oder beiläufig. 

Wir empfehlen: bewusst und sorgfältig. 

Nicht, weil gute Texte auffallen sollen. Sondern weil schlechte Texte auffallen – im falschen Moment, beim falschen Menschen, mit den falschen Konsequenzen. 

Gute Texte hingegen bedeuten mehr als nur ein reibungsloses Erlebnis: Wer weniger abbricht, kauft mehr. Wer nicht anruft, kostet weniger. Gutes UX Writing schlägt sich direkt in Conversion-Rates, Support-Aufwand und Kundenzufriedenheit nieder – und damit letztlich im Geschäftsergebnis. 

MA Vroni Bauhofer, Usability-Consultant

Usability-Consultant

Veronikas Herz schlägt für exzellente, nutzerzentrierte Texte. Mit ihrem Hintergrund in Marketing und PR weiss sie, welch grosse Rolle die richtige Wortwahl in unserem Alltag spielt und überträgt dieses Wissen mit Empathie und Kreativität ins UX Writing und die Aussenkommunikation unserer Agentur. Veronikas Erfahrungen in UX Design, Konzeptentwicklung und strategischer Kommunikation runden ihr Profil ab.

Kontakt