VUCA beschreibt unsere Gegenwart und macht deutlich, dass gute Führung nicht auf Kontrolle, sondern auf Aufmerksamkeit, Lernbereitschaft und den Umgang mit Unsicherheit setzt.
Theorie: VUCA klingt wie ein neues Mineralwasser, ist aber ein militärischer Begriff. Geprägt wurde er Ende der 1980er am US Army War College, um die Welt nach dem Kalten Krieg zu beschreiben: unübersichtlich, instabil, voller Widersprüche. Das Akronym steht für Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity – also Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Später griffen Business Schools und Berater den Begriff begeistert auf: Endlich hatte das tägliche Chaos einen Namen. In Managementkreisen machte VUCA Karriere; draussen in der Realität blieb es weitgehend unbekannt. Dabei beschreibt es genau das, was alle erleben, aber kaum jemand benennt.
Realität: In der Praxis fühlt sich VUCA weniger nach Strategie an, sondern nach Alltag: zwölf offene Themen im Montagsmeeting, drei widersprüchliche Mails und eine neue Chatgruppe, die niemand wollte. Organisationen reagieren auf Unsicherheit mit noch mehr Kontrolle, auf Komplexität mit zusätzlichen Prozessen und auf Mehrdeutigkeit mit Powerpoint. Das Ergebnis: noch mehr Komplexität. McKinsey bringt es auf den Punkt: Rund 70 Prozent aller grossen Transformationsprojekte scheitern. Und sie scheitern nicht, weil die Technik versagt, sondern weil Organisationen versuchen, Unvorhersehbarkeit mit Planung zu besiegen, statt ihr mit Anpassung zu begegnen. In einer VUCA-Welt ist das so, als würde man einen Sturm mit Excel berechnen wollen.
Fazit: VUCA ist keine Bedrohung, sondern eine Beschreibung der Gegenwart. Sie erinnert uns daran, dass Planbarkeit eine Illusion bleibt und dass gute Führung im Umgang mit Nicht-Wissen beginnt. Statt alles zu kontrollieren, gilt es, aufmerksam zu bleiben, Hypothesen zu testen und Perspektiven zu wechseln.
Oder einfacher gesagt: Wer bei VUCA ruhig bleibt, wenn es stürmt, hat das Spiel verstanden. Denn wer glaubt, das Chaos managen zu können, wird am Ende von ihm gemanagt.
Owner, Expert Consultant
Dr. Christopher H. Müller, founder and owner of Ergonomen Usability AG, earned his PhD from the Institute for Hygiene and Applied Physiology at ETH Zurich. With over 22 years of experience, he is an expert in usability and user experience. His strong sense of empathy allows him to quickly understand the needs and perspectives of his clients. With creativity and courage, he supports his clients in their digitalization projects and the optimization of products, services, and processes. He takes a practical approach, developing tailored solutions that can be effectively implemented. Dr. Christopher H. Müller is a columnist for Netzwoche. He also serves as a board member for the Zugang für alle Foundation, and is a member of two Swico advisory boards and co-president of the Regional Conference Nördlich Lägern.